Wohnkomfort: Was der Lambda-Wert in einem Hanfhaus nicht misst.
Wer in einem mit Hanf gedämmten Haus wohnt, spricht selten über kWh/m²/Jahr.
Die Bewohner erzählen, dass das Gefühl kalter Wände im Winter verschwunden ist, dass sich die Temperatur von Raum zu Raum nicht mehr unterscheidet, dass das Haus kühl bleibt, wenn es draußen heiß ist, dass sich die Räume deutlich weniger klamm und/oder Feucht anfühlen.
Keine dieser Empfindungen lässt sich am Lambda-Wert des Dämmstoffs ablesen. Dennoch entsprechen sie präzisen physikalischen Phänomenen, die sich messen und damit schon in der Planung berücksichtigen lassen.
Drei messbare Parameter.
Der empfundene Komfort in einer sanierten Wohnung hängt vom Gleichgewicht zwischen drei Parametern ab:
• Lufttemperatur: zwischen 18 und 22 °C je nach Nutzung des Raums.
• Relative Luftfeuchtigkeit: zwischen 40 und 60% gilt in Wohnräumen als empfehlenswert. Niedrigere Werte können die Schleimhäute austrocknen, während eine eine dauerhaft erhöhte Luftfeuchtigkeit das Risiko von Schimmelbildung und Tauwasserbildung an kühlen Oberflächen begünstigt.
• Differenz Luft-/Oberflächentemperatur: weniger als 3 °C. Darüber spürt man den Kaltwandeffekt, selbst wenn das Thermostat die richtige Temperatur anzeigt.
Hinzu kommen:
- Akustische Qualität: eine geringe Nachhallzeit und eine gute Schalldämmung zwischen den Räumen.
- Innenraumluftqualität: eine geringe Konzentration flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) – ein besonders sensibler Punkt in der Sanierung, bei der viele Materialien in ein bestehendes Raumvolumen eingebracht werden.
Diese Parameter beeinflussen sich gegenseitig. Die Differenz zwischen Luft und Wand ist das beste Beispiel dafür. Die empfundene Temperatur entspricht ungefähr dem Mittelwert aus Luft- und Oberflächentemperatur. Ein auf 21 °C beheizter Raum mit Wänden von 15 °C fühlt sich an wie etwa 18 °C. Um das auszugleichen, drehen die Bewohner die Heizung höher – was die Luft austrocknet und die relative Luftfeuchtigkeit senkt.
Ein guter R-Wert macht noch keinen behaglichen Raum.
Diese Lücke findet sich häufig in Ausschreibungen. Ein Dämmstoff kann einen ausgezeichneten Wärmedurchlasswiderstand aufweisen und die Bewohner dennoch in einem feuchten, kalten und unbehaglichen Raum zurücklassen.
Der Lambda-Wert gibt an, wie viel Wärme durch das Bauteil fließt. Er sagt nichts darüber aus, was in der Wohnung tatsächlich passiert und empfunden wird.
Dennoch beruhen die Wärmeschutzvorschriften fast ausschließlich auf diesem einen Kriterium.
Was der Hanfstein im Raum verändert.
Der Hanfstein wirkt auf mehrere dieser Parameter gleichzeitig – nicht nur auf die Wärmeverluste.
- Bei der Feuchtigkeit ist er ein kapillaraktiver Baustoff: Er nimmt überschüssige Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, wenn die Luft trockener wird. Die Feuchtepufferung kann Schwankungen der Raumluftfeuchte reduzieren – auch ohne zusätzliche Haustechnik.
- Bei der empfundenen Temperatur verlangsamt seine hohe spezifische Wärmekapazität die Temperaturschwankungen der Wand. Die Raumseitige Oberflächentemperatur kann durch diese Dämmung steigen und der Kaltwandeffekt nimmt ab.
- Bei der Akustik weist der Hanfstein einen Schallabsorptionsgrad von bis zu 0,85 auf. Dieser Wert hängt von der Oberfläche ab: Ein Putz verschließt teilweise die Oberflächenporosität, die den Großteil der Absorption ausmacht. Das sollte man im Blick behalten, wenn die Akustik ein Projektkriterium ist.
- Bei der Luftqualität ist der Stein hinsichtlich seiner VOC-Emissionen gemäß Emissionsprüfbericht in Klasse A+ eingestuft. Er enthält laut aktueller Produktdeklaration keine petrochemischen Additive oder synthetische Bindemittel.
Für das Empfinden planen, nicht nur für die Normkonformität.
Wer diese fünf Parameter schon im Vorentwurf berücksichtigt, kann vorwegnehmen, was die Bewohner in der Wohnung wirklich erleben werden – über die Anforderungen der Vorschriften hinaus. Die Feuchteregulierung des Bauteils spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie knüpft an die Fragen an, die wir in unseren Artikeln über diffusionsoffene Baustoffe und über die Innendämmung im Altbau behandeln.
Eine normkonforme Wohnung ist nicht unbedingt eine behagliche Wohnung. Was den Unterschied macht, lässt sich nicht am Lambda-Wert ablesen.
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