Die Innendämmung gilt als heikel. Dieser Ruf bezieht sich meist auf die Ausführung. Das eigentliche Risiko liegt woanders: Eine schlecht durchdachte Innendämmung kann dem Bestandsgebäude mehr schaden als eine unzureichende Dämmung.
Wenn die Innendämmung keine Wahl ist
In der Sanierung ist die Innendämmung – also die Sanierung von innen – in diesen Situationen meist die einzige Option:
- denkmalgeschützte Fassade oder Lage in einem geschützten Bereich, in dem eine Außendämmung ausgeschlossen ist;
- gemeinsame Wand zum Nachbargebäude, die von außen nicht zugänglich ist;
- Balkone, Gesimse oder Fassadenschmuck, die eine durchgehende Außendämmung verhindern;
- ein in Phasen aufgeteiltes Budget, das ein Vorgehen Raum für Raum erfordert, ohne die Gebäudehülle anzutasten.
In all diesen Fällen stellt sich nicht mehr die Frage, ob von innen gedämmt werden soll. Es geht darum, es zu tun, ohne eine Wand zu beschädigen, der es bis dahin gut ging.

Was die Dämmung an der Bestandswand verändert
Vor der Dämmung wird das Mauerwerk von innen beheizt. Es bleibt relativ warm, und die aufgenommene Feuchtigkeit kann nach beiden Seiten entweichen.
Sobald die Dämmung auf der Innenseite angebracht ist, liegt die alte Wand auf der kalten Seite. Ihre Temperatur sinkt, und die Temperaturverteilung im Bauteil verändert sich; unter ungünstigen Bedingungen kann sich Feuchtigkeit anreichern. Der aus dem beheizten Innenraum wandernde Wasserdampf trifft dort auf eine kalte Oberfläche. Kann er nicht weiterziehen, kondensiert er. Das ist interstitielle Kondensation: Sie bleibt monatelang unsichtbar – bis zu dem Tag, an dem der Putz abplatzt oder ein eingebundener Balken zu faulen beginnt.
Das ist nur die Hälfte des Problems.
Eine alte Wand wird nicht nur durch den Wasserdampf aus dem Innenraum befeuchtet. Sie bekommt auch Regenwasser auf ihre Außenseite und häufig aufsteigende Feuchte von unten. Diese Feuchtigkeit muss entweichen können, und ein Teil der Trocknung erfolgt nach innen.
Warum eine Dampfsperre das Problem im Altbau nicht löst
Die klassische Antwort auf interstitielle Kondensation ist die Dampfsperre: Der Dampf wird auf der Innenseite gesperrt und erreicht die kalte Zone nicht mehr. Bei einem gut geplanten Neubau funktioniert diese Logik.
Im Altbau kann eine Dampfbremse jedoch problematisch sein. Sie verhindert zwar das Eindringen von Wasserdampf aus dem Innenraum, kann aber gleichzeitig die Rücktrocknung vorhandener Feuchtigkeit behindern.
Hinzu kommt die Ausführung. Bei unebenen Wänden mit eingebundenen Deckenbalken und selten rechtwinkligen Ecken ist eine vollkommen lückenlose Dampfsperre die Ausnahme. Undichtheiten können konvektive Feuchteeinträge auf einen bestimmten Punkt verursachen – oft an der ungünstigsten Stelle.
Was ein kapillaraktiver Baustoff anders macht
Kapillaraktive Baustoffe gehen das Problem von der anderen Seite an. Statt die Feuchtigkeit zu sperren, können sie Feuchtigkeit aufnehmen, verteilen und wieder abgeben.
Je nach Baustoff können unterschiedliche Eigenschaften zusammenkommen, die man jedoch auseinanderhalten muss. Erstens sind sie diffusionsoffen, was die Diffusionswiderstandszahl µ misst. Der IsoHemp Hanfstein weist einen µ-Wert von 2,8 auf, gegenüber etwa 60 bei einem konventionellen petrochemischen Dämmstoff. Zweitens nehmen sie überschüssige Feuchtigkeit vorübergehend auf und verteilen sie wieder. Der Hanfstein kann bis zu 12 L/m³ speichern und je nach Umgebungsbedingungen wieder abgeben.
Die Wand muss also nicht mehr durch eine Dampfsperre „geschützt“ werden. Sie trocknet weiterhin kontinuierlich – genau wie vor der Dämmung.
„Dass wir keine Dampfsperre verlegen mussten, hat die Baustelle wirklich vereinfacht. Der Hanfstein reguliert die Feuchtigkeit ganz natürlich und sorgt gleichzeitig für eine gesunde, diffusionsoffene Wand.“
Ein diffusionsoffener Dämmstoff allein macht das Bauteil allerdings noch nicht diffusionsoffen. Entscheidend ist der gesamte Schichtaufbau, und dieser wird über den Sd-Wert jeder Schicht geprüft. Bei einem nicht hinterlüfteten Bauteil muss der Sd-Wert auf der Innenseite mindestens fünfmal so hoch bleiben wie auf der Außenseite. Diese Überlegung erläutern wir ausführlich in unserem Artikel über diffusionsoffene Baustoffe.
Wo die Materialwahl am stärksten ins Gewicht fällt
Dieser Ansatz betrifft vor allem den Altbau: Ziegel, Naturstein, Stampflehm, Fachwerk. Das Risiko steigt zusätzlich an einer Nordfassade, die wenig abtrocknet, und bei aufsteigender Feuchte. In diesen Konstellationen zählt das hygrische Verhalten des Dämmstoffs ebenso viel wie sein Wärmedurchlasswiderstand – und es berührt unmittelbar die Haftung des Planers.
Auch die Oberfläche spielt eine Rolle. Eine Wand aus Hanfsteinen mit Kalk-, Lehm- oder Gipsputz bleibt diffusionsoffen. Bereits dünne, diffusionshemmende Farbschichten können die Wasserdampfdiffusion deutlich beeinträchtigen.
Im Altbau bedeutet Dämmen nicht, der Wand eine Schicht hinzuzufügen.
Man vertraut ihr eine Schicht an, die mit ihr zusammenarbeiten muss.
Sie sind Architekt, Planungsbüro oder Bauunternehmen?
Entscheidend ist, bereits in der Planungsphase zu prüfen, ob der Schichtaufbau das Sd-Verhältnis einhält. Bei IsoHemp verfügen wir über die Werkzeuge und das Know-how, um Sie dabei zu begleiten.