Was „diffusionsoffen“ konkret bedeutet.

Ein diffusionsoffener Baustoff lässt Wasserdampf durch das Bauteil hindurch, ohne ihn zu behindern. Diese Eigenschaft wird mit der Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl µ gemessen: Je niedriger dieser Wert, desto durchlässiger der Baustoff. 
µ hängt von der Art des Materials ab, nicht von seiner Dicke: Ein Hanfstein hat also bei 12 cm denselben µ-Wert wie bei 36 cm.

µ 2,8
IsoHemp Hanfstein
µ ≈ 60
Polyurethan, extrudiertes Polystyrol

Der IsoHemp Hanfstein weist einen µ-Wert von 2,8 auf. Ein konventioneller petrochemischer Dämmstoff (Polyurethan, extrudiertes Polystyrol) liegt bei etwa 60.

Doch µ allein sagt nichts über eine reale Wand aus, die eine bestimmte Dicke hat. Dafür nutzt man den Sd-Wert. Anders als µ beschreibt er eine Schicht so, wie sie auf der Baustelle tatsächlich existiert – ein Material in seiner realen Dicke.

Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar: Eine Wand aus 36 cm Hanfstein (µ = 2,8) hat einen Sd-Wert von etwa 1 m. Ein filmbildender Anstrich hingegen kann einen Sd-Wert von über 10 m erreichen – mit nur wenigen Zehntelmillimetern Dicke. 

Eine komplett diffusionsoffene Wand kann also durch eine Schicht blockiert werden, die tausendmal dünner ist als sie selbst. Dieses Missverhältnis erklärt, warum der Sd-Wert – und nicht µ – die Bezugsgröße für normative Grenzwerte ist: Er ist ein wichtiger Kennwert, der sowohl die Art des Materials als auch seine reale Dicke berücksichtigt.

Ein „diffusionsoffenes“ Bauteil wird also anhand der Sd-Werte jeder einzelnen Schicht beurteilt, die sich addieren: Entscheidend ist immer der gesamte Wandaufbau, nie der Dämmstoff für sich allein. Bei einem nicht hinterlüfteten Bauteil muss der Sd-Wert auf der Innenseite mindestens fünfmal so hoch bleiben wie auf der Außenseite; darunter droht der von innen nach außen wandernde Wasserdampf im Inneren der Wand zu kondensieren. Die DIN 4108-3 setzt die Grenze für diffusionsdichte Schichten bei einem Sd-Wert von 1 500 m.

 Zwei Fehler finden sich häufig in technischen Unterlagen: einen sd-Wert ohne dazugehörigen Schichtaufbau oder Materialbezug anzugeben oder einen µ-Wert mit einem Sd-Wert zu vergleichen, als handle es sich um dieselbe Größe.

Diffusionsoffen und kapillaraktiv: ein Unterschied, den man kennen sollte.

Die Planung einer diffusionsoffenen Dämmung beginnt mit diesen beiden Kennwerten, µ und Sd, endet aber nicht dort. Nicht alle diffusionsoffenen Baustoffe verhalten sich gegenüber Feuchtigkeit gleich. Manche lassen den Dampf lediglich durch; andere, sogenannte kapillaraktive und/oder hygroskopische Baustoffe, können zusätzlich überschüssige Feuchtigkeit vorübergehend aufnehmen und anschließend wieder verteilen.
 

Der IsoHemp Hanfstein gehört zur zweiten Kategorie: Er kann bis zu 12 L/m³ Feuchtigkeit speichern und je nach Umgebungsbedingungen auf natürliche Weise wieder abgeben. Dieses Verhalten macht eine zusätzliche Dampfsperre überflüssig, was auch die Ausführung auf der Baustelle vereinfacht.

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Dieses Material hat uns sofort überzeugt. Es erzählt eine andere Geschichte als konventionelle Dämmstoffe.

Pascal · Architekt, Eigentümer einer Scheune aus dem 18. Jahrhundert
Warum dieser Parameter über die Dauerhaftigkeit der Wand entscheidet.

Bei einer Innendämmung kann Wasserdampf bei entsprechenden Dampfdruckgefälle von innen nach außen diffundieren. Wird dieser Weg durch das Bauteil blockiert – Dampfsperre, dampfdichter Putz, filmbildender Anstrich – kann es bei ungünstigen Temperatur und Feuchtebedingungen zu Tauwasserbildung im Bauteil kommen. Man spricht von interstitieller Kondensation (Tauwasserbildung im Bauteil). Tritt sie auf, bleibt sie oft monatelang unsichtbar, bevor sie sich durch die eingangs beschriebenen Schäden bemerkbar macht: abplatzender Putz, faulende Holzbauteile, Schimmelbildung.

Ein diffusionsoffener Baustoff begrenzt dieses Risiko, indem er die Wasserdampfdiffusion ermöglicht. Ein kapillaraktiver Baustoff geht noch weiter: Er reguliert die Feuchtigkeit, statt sie nur vermeiden zu wollen – genau darin liegt der Sinn der oben getroffenen Unterscheidung.

Bei einem gut geplanten Neubau kann ein Dämmstoff mit Dampfsperre problemlos funktionieren. Im Altbau (Ziegel, Naturstein, Fachwerk), an Nordfassaden oder bei aufsteigender Feuchte ist das Risiko deutlich höher – und es berührt die Haftung des Planers. Eine sperrende Schicht (Dampfsperre, dampfdichter Putz oder Anstrich) auf diese Art von Bausubstanz aufzubringen, schafft oft genau das Problem, das man vermeiden will. Dieser Fall erfordert eine eigene Herangehensweise: Lesen Sie unseren Artikel zur Innendämmung im Altbau.

Ein Expertentipp für die Planung

Die Diffusionsoffenheit einer Wand ist auch eine Frage der Oberfläche. Der Hanfstein harmoniert von Natur aus mit mineralischen Putzen – Kalk, Lehm, Gips –, sofern Ihre konkreten Wasserdampfdiffusions -und Feuchteeigenschaften zum Aufbau passen.  Um sein volles Potenzial auszuschöpfen, sollte man schon im Vorentwurf daran denken, statt erst darauf zurückzukommen, wenn die Baustelle bereits weit fortgeschritten ist.

Sie sind Architekt, Planungsbüro oder Bauunternehmen?

Entscheidend ist, bereits in der Planungsphase zu prüfen, ob der gesamte Wandaufbau feuchtetechnisch geeignet ist. Bei IsoHemp verfügen wir über die Werkzeuge und das Know-how, um Sie dabei zu begleiten.

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